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Vom Zwinger in’s Wohnzimmer

Ein Beitrag darf auf einem persönlichen Hundeblog wohl kaum fehlen und das ist jener, der erzählt, wie es der Protagonist überhaupt zu seinem Frauchen und/oder Herrchen geschafft hat.
Wo kommt Toni also her? In welchem Alter zog er bei uns ein? Ging er schon durch mehrere Hände? Wieso überhaupt ein Deutscher Schäferhund und warum genau Toni? Zu gerne möchte ich das alles nun erzählen 🙂

Die Entscheidung einen Hund bei sich aufzunehmen ist nicht immer von positiven Dingen umrahmt. Hat sich einmal herauskristallisiert, dass ein Leben ohne Fellnase kaum mehr denkbar ist, wird der Zeitpunkt zwangsläufig kommen. Der bestenfalls langjährige und treue vierbeinige Freund verlässt uns und hinterlässt sein leeres Plätzchen einem neuen Hundepartner.

Am 3. Juni 2016 starb unerwartet unser Deutscher Schäferhund Spike.
Spikey hatten wir bereits in sehr schlechtem Zustand bei uns aufgenommen. Der Hauptanteil unserer gemeinsamen Zeit von leider nicht mal zwei Jahren war davon geprägt, seine stark vorangeschrittene Ohrenentzündung in den Griff zu bekommen und das war alles andere als einfach. Dennoch sah für das Jahr 2016 zunächst alles nach Besserung und einem endlich schmerzfreien Leben für unseren Unglücksraben aus. Umso härter traf es uns, dass dann doch alles so schnell zu Ende ging.

Mein Spikey war mein Ein und Alles...

Für mich stand sehr schnell fest, dass Spikeys Platz nicht lange leer bleiben sollte. Zum einen (und ich glaube vor allem) brauchte ich eine neue Aufgabe. Zum anderen wollte ich keine Zeit verschwenden, um einem anderen Hund ein Zuhause zu geben. Mein Freund hätte sich sicherlich mehr Zeit gelassen, doch ich war bereits nach einigen Tagen auf den Seiten örtlicher Tierheime unterwegs und sah mich um. Dass jeder Mensch auf andere Weise trauert und Spikey trotz unserer nicht allzu langen gemeinsamen Zeit zum Seelenhund wurde, möchte ich irgendwann in einem separaten Blogbeitrag erzählen.

So dauerte es also nicht lange bis ich den Telefonhörer in die Hand nahm und mich beim nahegelegenen Tierheim Feucht nach einem ganz bestimmten Hund erkundigte. Utano!

Utanos Original Steckbrief von der Tierheim-Homepage

Ja, ein Schäferhund sollte es wieder werden! Unser Dritter. Denn noch vor Spike, als ich meinen Freund kennengelernt hatte, hatte dieser bereits einen Deutschen Schäferhund gehabt. Seitdem habe ich diese Rasse einfach lieben gelernt.
Gesund und nicht allzu alt sollte er sein. Klingt leider etwas egoistisch, aber aufgrund der uns noch sehr präsenten Vorgeschichte mit Spike, wollten wir erstmal Ruhe in Sachen Tierklinik & Co.
Eine Mitarbeiterin des Tierheims sagte mir, dass für Utano zwar bereits Interessenten da gewesen wären, aber es sei noch nichts entschieden und wir sollen gerne vorbei schauen.

Es dürfte, wenn ich mich nicht täusche, der 19. Juni gewesen sein, als mein Freund (nach wie vor skeptisch) und ich in’s Tierheim tingelten. Nur mal schauen 😉
Allzu viel war nicht los und so schlenderten wir durch die Gänge auf der Suche nach Utanos Zwinger. Wir fanden ihn. Und was soll ich sagen? Wir spitzten beide durch das kleine Fenster und waren sofort verliebt 🙂

Der erste Blick zu Utano in seinen Zwinger

Wir unterhielten uns mit einem sehr netten Hundepfleger, bekundeten unser Interesse und erzählten ein bisschen über uns. Dann durften wir auch schon mit Utano nach draußen in einen Auslauf. Und es war einfach nur schön! Utano flitze übermütig über die Wiese, wir spielten ein bisschen Ball und lernten uns kennen. Mein Freund und ich hatten sofort einen Draht zu ihm und der Hundepfleger sagte uns, er hätte bereits ein sehr gutes Gefühl, dass es passen könnte.

Ab unserem Kennenlern-Tag besuchte ich Utano fast täglich nach der Arbeit. Am Wochenende war mein Freund natürlich auch dabei. Gassi gehen, im Auslauf spielen oder einfach nur bei ihm im Zwinger sitzen. Ich kann mich erinnern, dass Utano regelmäßig seine kleine Zelle flutete, indem er seinen Wassernapf umschüttete. Auf dem Blechnapf herumbeissen fand er damals schon lustig und beim Reinkommen sprang er einen gern an oder zwickte übermütig in die Oberschenkel. Beim Gassigehen musste man ihn teilweise noch überreden mitzukommen. Gerade die ersten Male drehte er sich immer wieder um, wollte nicht so recht mitlaufen und war sich unsicher. Auch ich war mir so unsicher. Spikey hatte ich durch unsere intensive Zeit so gut gekannt. Utano konnte ich noch so gar nicht einschätzen. Ein komisches Gefühl!

Die ersten Male...
...zusammen Gassi

Als wir Utano kennenlernten, war er knapp 10 Monate alt, von denen er ca. 2 Monate im Tierheim verbracht hatte. Doch wieso saß so ein junger, freundlicher und hübscher Hund dort? Wie schon im Steckbrief zu lesen, wurde uns „Zuchtausschuss“ als vorrangiger Grund genannt. Utano wurde direkt vom Züchter ins Tierheim gebracht. Er war Kryptorchide, was bedeutet, dass einer seiner Hoden nicht abgestiegen war und sich somit weiterhin im Bauchraum befand. Diese Lageanomalie ist vererblich und schließt Rüden mit solch einer Störung zur weiteren Zucht aus.

Natürlich machte uns die Tatsache, dass ein Züchter seine Nachzucht aufgrund von „Mängeln“ in’s Tierheim gibt, sehr stutzig und traf auf Unverständnis. Schließlich assoziiert man mit dem Abgeben eines Tieres eine gewisse Herzlosigkeit. Was wir ebenfalls nicht verstanden – ein Käufer, der am Züchten sowieso nicht interessiert gewesen wäre, hätte sich doch sicherlich trotzdem gefunden!?

Ich muss sagen, dass sich meine damals schnell gebildete Meinung geändert hat. Nach kurzer Recherche habe ich nämlich Kontakt zur Züchterin aufgenommen und wurde wirklich positiv überrascht! Gelernt habe ich hierbei, dass man sich, egal wie unbegreiflich einem etwas vorkommt, trotzdem alle Seiten anhören sollte! Wir haben nett miteinander geschrieben, meine Fragen wurden beantwortet und wir wurden sogar auf einen Besuch eingeladen.

Nur Flausen im Kop!f

U t a n o … nein der Name hatte uns von Anfang an überhaupt nicht gefallen! Drei Silben, nur dunkle Vokale und komischerweise hatte mein Freund den Namen immer ganz seltsam spanisch ausgesprochen. Ging wirklich nicht!
Wir brainstormten also, spielten ein wenig mit den schon vorkommenden Buchstaben und tadaa - es wurde ein Toni draus!

Am 8. Juli 2016 holten wir Toni dann nach Hause.
Mittlerweile kam er ohne zu zögern mit uns mit, stieg dann ganz selbstverständlich in’s Auto und gehörte plötzlich einfach zu uns 🙂 Es war ein herrliches Gefühl! Neu! Spannend! Aufregend! Und doch war irgendwie alles gleich so, wie es sein sollte. Es kommt einfach wie es kommt und manchmal glaube ich schon, dass alles, was uns passiert irgendwie einen Sinn hat…

Erinnerungsfotos...
...aus dem Tierheim

6 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. Eine schöne Geschichte – wenn auch mit einem traurigen Start. Ich kann mich aber sehr gut in den Augenblick versetzten, als ihr Utano das erste Mal gesehen habt … da werden auch bei mir Erinnerungen wach.
    Es ist schön zu lesen, dass sich alles so entwickelt hat wie es sollte.

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Cara und Shadow

  2. Ach wie schön! 🙂 Sowas liest man immer gern. Und Aileen wäre bestimmt ganz hin und weg von Toni, vorausgesetzt er wäre nicht zu aufdringlich. 😀
    Und ich glaube auch ganz fest, dass nichts ohne Grund geschieht, alles hat seinen Sinn oder Zweck.
    Liebe Grüße,
    Johanna & Aileen

    1. Tatsächlich war Toni anfangs ziemlich aufdringlich und wollte noch nicht so ganz verstehen, wenn andere Hunde keine Lust auf ihn und seine Energie haben 😛 Mittlerweile ist er zwar immer noch sehr stürmisch und kontaktfreudig anfangs, lässt sich aber gut abbrechen und wird auch schneller ruhiger! Selbstbewusste Hündinnen, die ihm sagen, wo’s lang geht, sind auf jeden Fall gut für ihn 😀

      Liebe Grüße!

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