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Anti-Giftköder-Training

In sämtlichen Facebook-Hundegruppen schießen uns momentan Warnmeldungen entgegen. Regelmäßig hört man im Radio oder Fernsehen von aktuellen Vorfällen und fast jeder kennt jemanden, der jemanden kennt, der wiederum jemanden kennt, der schon betroffen war.

Trotz all dem Trubel gehöre ich zu denen, die sich nicht allzu verrückt machen wollen über den derzeitigen Giftköder-Wahn.
Selbstverständlich beunruhigt mich die Tatsache, dass es auch in unserer Gegend bereits Hunde erwischt hat. Dennoch möchte ich mich und vor allem Toni nur ungern einschränken und immerfort mit der Angst leben, hinter jedem Busch könnte die nächste Wurst mit Rattengift liegen. Permanentes Anleinen oder das Tragen eines Maulkorbs kommt für mich also erstmal nicht in Frage.

Was bleibt einem also? Hoffen, dass der Hund nichts Gefährliches aufnimmt? Wie unbefriedigend… Ich hab mich somit dazu entschieden, mittels eines Anti-Giftköder-Kurses der Behauptung nachzugehen, man könnte dem Hund das unkontrollierte Fressen vom Boden draußen abgewöhnen.
„Friss nicht alles, was du findest! – Vom Staubsaugerhund zu einem sicheren Umgang mit gefundenem Fressen“ - dieser Kurs von Easy Dogs ist es geworden!

In vier Einheiten à 60min sollte mit uns Kursteilnehmern ein Grundstein dafür gelegt werden, zusammen mit dem Hund zu trainieren, Fressbares, Unrat sowie Giftköder verlässlich liegen zu lassen. Kein Ermahnen oder Schimpfen mehr, sondern ein konditioniertes Anzeigeverhalten ist der Schlüssel zum Erfolg!

In der Theorie

Wie läuft es denn so oft? Man geht Gassi, Vierbeiner schnuffelt, Vierbeiner findet, Zweibeiner ermahnt, Vierbeiner frisst, Zweibeiner schimpft, Vierbeiner schluckt…
In fast allen Fällen führt ein Maßregeln des Hundes nur dazu, dass dieser den gefundenen Braten noch viel schneller hinunterschlingt. Selbst wenn er sich von uns beeindrucken lässt und Fressen Nummer 1 wieder ausspuckt, wird er es bei Fressen Nummer 2 wieder probieren. Nicht immer bekommen wir mit, dass der Hund da eben etwas mehr oder weniger leckeres vertilgt, während wir gerade in die andere Richtung gucken oder uns mit dem Gassi-Partner unterhalten.

Schimpfen also sein lassen…bringt eh nix!

Ja...Toni gehört zur Gattung "Staubsauger-Hund"

Miteinander, statt gegeneinander ist auch beim Anti-Giftköder-Training die Devise. Ziel ist es, dass unser Hund uns das gefundene Fressen anzeigt und dabei davon motiviert wird, durch sein Anzeigeverhalten eine erstrebenswerte Belohnung zu bekommen. Klingt plausibel oder? Ist es auch! Das Konditionieren dieses Verhaltens im Trainingsalltag ist sicherlich von jedem relativ schnell zu bewältigen. Das Übertragen auf die Alltagssituation Wald & Wiese ist allerdings ein sehr langwieriger und trainingsintensiver Prozess. Aber er ist erstrebenswert!

Die ersten Trainingsschritte

Voraussetzung für das Training ist, dass man den eigenen Hund auf den Klicker oder ein Markerwort konditioniert hat. Ich klickere mit Toni schon länger, was uns den Einstieg recht einfach gemacht hat.
Als „Köder“ sollte man zuallererst etwas nicht allzu feines hernehmen. Der Hund sollte es zwar fressen wollen, aber nicht um jeden Preis. In unserem Fall war es ein Stück Breze. Schnell griffbereit (z.B. in einem Leckerliebeutel) drappiert man leckere, kleingewürfelte Happen wie Käse oder Wienerle.

Klickerst du schon?

Der Köder alias die Breze wird nun in der Wohnung (reizarm!) an eine Stelle am Boden gelegt und der Hund bestenfalls am Geschirr angeleint. Jetzt soll er den Köder auf dem Boden wahrnehmen. Entweder er tut das bereits aus dem Stand oder ihr geht langsam einen Schritt darauf zu. Die Entfernung sollte zu Beginn noch recht groß sein. Nie darf der Hund von selbst an den Köder herankommen!
Eingefangen werden soll nun der Blick des Hundes zum Köder:
Hund sieht hin – Klick – Belohnung
Das Leckerchen wird hier immer entgegengesetzt der Richtung, in der der Köder liegt, gegeben.

Das geht fix! Gerade dann, wenn der Hund bereits den Klicker kennt, wird er sich prompt zu dir umdrehen und die Belohnung entgegen nehmen. Nicht vergessen und auslassen darf man aber stets zuerst den Blick des Hundes zum ausgelegten Fressen.

Als nächstes wird ein kleiner, aber elementarer Zwischenschritt eingebaut. Die Verhaltenskette wird wie folgt erweitert:
Hund sieht Köder – Hund schaut zu dir – Klick – Belohnung
Dieses Umschauen des Hundes erreicht man meist ganz leicht, indem schlichtweg der Klick ausbleibt. „Hey? Wo bleibt der Klick?“ frägt sich Hund idealerweise und guckt sich nach euch um, nachdem sein Blick zum Köder ging. Dieser wichtige Moment soll nun als nächstes eingefangen werden und der Weg zum Anzeigeverhalten ist geebnet!

Diese Verhaltenskette sollte nun immer wieder geübt werden. Erst mit mehr Abstand zum Köder, dann mit weniger. Ein paar Mal von links, ein paar Mal von rechts. Zuerst in der Wohnung, dann natürlich auch draußen.

Tipp: Auch wenn der Hund eine tolle Belohnung bekommt, wird das, was er am meisten will, immer das Fressen am Boden sein. Als Jackpot-Belohnung gab es also bei uns immer wieder, wenn die Übung besonders gut ausgeführt worden ist, auch mal ein Stück vom ausgelegten Köder, sprich von der Breze. Bevor der Hund ran darf, muss das Fressen aber zwingend von dir freigegeben werden!

Das Anzeigeverhalten

Das Anzeigeverhalten ist ein weiterer Schritt, der in die bis hierhin gut funktionierende Verhaltenskette eingebaut werden muss. Hierfür macht ein Verhalten Sinn, das der Hund bereits beherrscht und das man auch gut als Anzeige für gefundenes Fressen erkennen kann. Ich habe mich für den, auch von der Trainerin selbst praktizierten Hand-Touch entschieden.
Findet Toni also unterwegs etwas Fressbares, so soll er sich davon abwenden, zu mir kommen und mit der Schnauze meine Hand berühren. Klingt doch traumhaft, oder? 🙂

Das Kommando "Touch" ist schnell konditioniert!

Konditioniert wird dieser Schritt nun im gleichen Rahmen, wie die bisherigen auch. Nachdem Toni also zum Köder geschaut und sich zu mir umgesehen hat, habe ich ihm die Hand entgegengestreckt und das Kommando „Touch“ gesagt. Wurde die Hand berührt, gab es den Klick und eine Belohnung.
Schritt für Schritt lässt man im Verlauf des Trainings nun das Kommando weg, streckt die Hand nur noch geringfügig entgegen und lässt sie schließlich locker neben dem Körper hängen.

Training vs. Alltag

So gut die Trainingssituationen auch klappen werden, so schwieriger wird das Anti-Giftköder-Projekt im Alltag. Im Kurs selbst war Toni eigentlich immer sehr schnell gedanklich dabei. Er begriff richtig flott, was ich von ihm verlangte, konzentrierte sich super und machte mich schon sehr stolz 🙂 Das motiviert gerade am Anfang ungemein! Befindet man sich irgendwann jedoch in einem fortgeschrittenen Trainingsstand, so lautet der nächste und besonders wichtige Schritt:
Umsteigen vom Trainingsmodus in den Alltagsmodus!
Der Vierbeiner soll die erlernte Verhaltenskette schließlich nicht nur im ersteren Modus abspulen können, sondern dann, wenn wir es gerade brauchen – im Alltag.
Für das weitere Training bedeutet das also, den Köder auch mal vorher auszulegen, so dass der Hund davon nichts mitbekommt. Ich musste zudem darauf achten, dass Toni nicht in Erwartungshaltung aufmerksam neben mir lief, sondern ganz normal schlenderte und schnüffelte, bevor wir uns dem Köder näherten.

Mein Fazit zum Kurs

Nadine Wachter von Easy Dogs Fürth hat uns während des gesamten Kurses wirklich super an die Hand genommen. Bereits die ersten zwei kombinierten Einheiten von einer Stunde Theorie und einer Stunde Praxis haben mir absolut gefallen.
Begonnen hat der Kurs im Indoor-Trainingsraum, was mir im Vorfeld schon etwas Sorgen bereitet hatte. Entspannt und cool bleiben auf engem Raum mit anderen fremden Hunden ist noch nicht Tonis Stärke. Ein umso größerer Stein ist mir da vom Herzen gefallen, als ich innerhalb der ersten Minuten merkte, wie gut strukturiert alles aufgezogen wurde!
Alle fünf Teilnehmerhunde wurden nacheinander und in aller Ruhe in den Raum gebracht und bekamen dort ihren separaten Bereich mit Sichtschutz. Die weiteren zwei Praxiseinheiten verbrachten wir draußen, zunächst wieder separat Hund für Hund und zuletzt trainierten wir sogar alle parallel.
Zum Nachlesen und Vertiefen gab es eine Theoriemappe mit allen Trainingsschritten und Wissenswertem zum Thema Giftköder.

Einen Anti-Giftköder-Kurs zu machen lohnt sich in jedem Fall, wenn man die Basics vermittelt bekommen möchte und bereit ist, den Großteil des Trainings anschließend selbst in die Hand zu nehmen. Die Methode mit dem Anzeigeverhalten an sich stellt für mich, nach allem was ich nun durch den Kurs gehört und sonst so gelesen habe, auf jeden Fall die einzig zielversprechende Art und Weise dar, dem Problem Giftköder mittels Training Herr zu werden.

Also ran an’s Training!

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