Allgemein

Unser Treibball-Seminar

Ich liebe Hundeseminare! Einige standen bei mir und Toni in der letzten Zeit auf dem Programm und die meisten drehten sich doch irgendwie um das Thema Hundeerziehung. Ich erhoffte mir vor allem neue Erkenntnisse für die Bewältigung unserer „Erziehungs-Baustellen“.

Gerade weil ich mich permanent mit unseren Problemchen Leinenaggression und Nervosität beschäftige, habe ich mich auf ein Seminar besonders gefreut, denn das versprach vor allem eines: Spaß!
Etwas ganz Neues zusammen ausprobieren und neugierig sein. Mal nicht daran arbeiten müssen, dass etwas, das noch nicht klappt, besser wird, sondern sich nur auf eine ganz neue Sache konzentrieren dürfen. Wir haben Treibball kennengelernt!

Die Treibballschule von Bärbl Runggaldier war mir bis dato noch kein Begriff und auch sonst hatte ich mit dieser Art der Beschäftigung und des Sports noch keine großen Berührungen. Im Nachhinein kann ich nun sagen, dass wir wohl keine bessere Trainerin erwischen hätten können als Bärbl 🙂

Ihre Art und Weise Hund und Mensch an Treibball heranzuführen und zu trainieren, beruht auf enger Zusammenarbeit und klarer, liebevoller Kommunikation. Nicht die Zeit, in der die Bälle in’s Tor gebracht werden, ist bei Bärbl von Bedeutung. Ruhiges Arbeiten, verständliche Signale, Motivation und eine kreative, wechselnde Aufgabenstellung sollen im Fokus liegen.

Toni fand die Bälle von Anfang an interessant


Aber putscht das Treiben meinen Hund nicht auf? --> Nein

Das richtige Bewegen des Balles, die Signale des Menschen begreifen und auch selbst Lösungen finden – für all das bedarf es beim Hund starke Konzentration. Treibball bedeutet also keinesfalls ein bloßes Hetzen. Während es durchaus Hunde und Hunderassen gibt, die laut bellend treiben (und das ist ok!), sollte man ein forderndes, motziges Bellen auf jeden Fall unterbinden.

Unterstütze ich mit Treibball nicht den Jagdtrieb? --> Nein
Jeder unserer Hunde besitzt Jagdgene in unterschiedlicher Ausprägung, die wir ihnen schlichtweg nicht absprechen können. Tatsächlich bedeutet Treibball eine Art Jagd, die allerdings zusammen mit dem Menschen ohne die Endsequenz des Tötens kontrolliert ausgeführt werden darf. Während es schier unmöglich ist, einem jagdaffinen Hund diese Leidenschaft abzutrainieren, gibt es nichts besseres, als gemeinsam und kontrolliert(!) mit ihm jagen zu gehen.

Ist das nicht eher nur was für Australien Shepherd und Border Collie? --> Nein
Treibball ist ganz und gar nicht ausschließlich für Hütehunde geeignet und den klaren Beweis dafür gab es prompt in unserem Seminar! Zwei der bereits fortgeschrittenen Teilnehmerhunde waren die Französische Bulldogge Dooley und die Kangal Hündin Király und sie haben’s beide echt super gemacht 🙂

Király brauchte definitiv die größten Bälle...
...Dooley dagegen die kleinsten


Nachdem sich am ersten Seminartag eine kleine Gruppe von durch die Bank netten Hundemenschen auf dem Trainingsgelände der HSG Franken Schnauzen eingefunden hatte, ging es ohne großen Theorieteil gleich los und rein in das von Bärbl umzäunte Viereck. Learning by doing and looking war die Devise! Unsere Gruppe bestand praktischerweise aus einer Hälfte Anfänger und der anderen Hälfte Fortgeschrittenen. Letztere begannen das Training mit Bärbel, so dass wir Anfänger uns nach und nach mit dem, was Treibball bedeutet, vertraut machen konnten. Schnell war ich begeistert, freute mich darauf, es mit Toni zu versuchen und war absolut gespannt, wie er auf die bunten Bälle reagieren würde!


Regeln aufstellen
In der Anmeldungs-Info stand, dass beim Seminar beschädigte Bälle logischerweise ersetzt werden müssen und ja, leichte Bedenken hatte ich hier bei Toni schon. German Shredder eben 🙂 Perfekt waren daher Bärbls erste Übungen für uns, als wir das Treibball-Viereck betraten. Die Bälle lagen bunt verstreut und mussten von mir mit Toni an der Leine umrundet werden. Selbstständig durfte er dabei an keinen Ball ran, das musste ich mal mehr, mal weniger intensiv stimmlich und körperlich unterbinden. Um den Respekt vor dem Ball zu verstärken, sollte ich ein paar Bälle aufheben und mit Toni an meiner Seite in’s Tor tragen. Wer weiß, ob wir ohne diese Übungen nicht doch den ein oder anderen Ball hätten bezahlen müssen… 😉

Wenn da mal nicht einer neugierig ist


Die ersten Stups-Versuche

Was soll Hund nun mit dem Ball tun? Und wie genau soll er ihn bewegen? Wie bring ich’s ihm bei? Zum ersten Stupsen haben wir einen Futterbeutel und einen kleinen Reifen als Hilfe hergenommen und das hat super geklappt! Der Ball wird auf den Reifen platziert. Nun wird dem Hund gezeigt, wie der Futterbeutel unter den Ball in den Reifen gelegt wird. Manche Hunde sind sehr schnell selbst dahinter gekommen, den Ball nun vom Reifen runter zuschubsen, anderen musste erst noch etwas geholfen werden, indem der Ball leicht angehoben wurde.
Mit der Hand zeigt man dem Hund hierbei bereits, an welcher Stelle er mit der Nase ansetzen soll. Als Kommando kann relativ schnell ein Begriff wie „Stups“ oder „Push“ eingeführt werden.

Ran an den Futterbeutel!


Nicht die Kontrolle verlieren

Je nachdem, wie sich der Hund beim Herunterschieben des Balls vom Reifen macht, kann aus dieser Übung gleich weitergestupst werden. Dazu zeigt man dem Hund immer wieder erneut, an welcher Stelle der Ball berührt werden soll und gibt das Kommando. Tonis Interesse war erfreulicherweise schnell geweckt! An dieser Stelle stehen Technik und Richtungen noch weit hinten an. Wichtig ist erstmal nur, die Motivation und den Spaß am Treiben zu wecken. Ich musste mit Toni hier besonders darauf achten, das Treiben nicht außer Kontrolle geraten zu lassen. Zum einen stieß er den Ball recht schnell nach vorne, zum anderen neigte er dazu reinbeissen und draufsteigen zu wollen. Sobald das Treiben zu energisch wurde oder man die Einheit einfach beenden wollte, sollten wir uns auf den Ball setzen und den Hund vor uns ablegen oder sitzen lassen.



Stupsen durch die Gasse

Zu Beginn werden es wohl die meisten Hunde noch nicht hinbekommen, den Ball in eine bestimmte Richtung zu schieben. Dafür ist die Gasse eine super Hilfe! Sie ermöglicht stärkere Erfolgserlebnisse für den Hund, da er den Ball damit gezielt voran bewegen kann. Für den Anfang sollten wir uns auch bei dieser Übung zum Hund mit in die Gasse stellen und ihn mit Handgeste und Kommando zum Stupsen animieren. Klappte das schon gut, kam der Ball zwischen Hund und Mensch.
Übrigens ist es nicht für alle Hunde gleich ein Klacks ohne weiteres durch die Gasse zu marschieren. Um ihnen eine mögliche Unsicherheit oder gar Angst zu nehmen, sollte zuvor jedes Mensch-Hund-Paar ein paar Mal zusammen durch die Gasse laufen, während Bärbl vorsichtig gegen das Gitter klopfte.

Den Ball aus der Gasse stupsen klappte super


Die Leine als Wegweiser

Auch wenn es sich bei uns Anfängern erstmal vor allem darum drehte, das Interesse am Ball zu wecken, haben wir zusätzlich bereits die ersten Grundsteine gelegte, um später koordinieren zu können, wohin der Hund denn nun laufen und welchen der Bälle er treiben soll. Als Ausgangspunkte dienten bei Bärbl dafür auf dem Boden liegende Leinen. Auch andere Bodentargets wären hier möglich, so schmunzelten wir zum Beispiel über die mit Leberwurst bestückten Brotzeitbrettchen einer Teilnehmerin, die ebenso wunderbar als Targets und Ankerpunkte innerhalb des Vierecks dienten.
Mittels Futterbeutel umrundeten wir die auf dem Platz verteilten Leinen-Knäuel und übten, den Hund auf das Kommando „Leine“ auf einem der Knäuel mit Blick zu uns abzusetzen. Auch mit einem bereits konditionierten Handtarget kann das Führen auf die Leine gut funktionieren.

Brav auf die Leine setzen


Richtungsweisen

Für den Weg des Hundes vom Menschen weg zu den ausgelegten Ausgangspunkten im Viereck und von dort aus zum jeweiligen zu treibenden Ball kam nun die nächste Sache, die es zu üben galt – das Schicken in alle vier Himmelsrichtungen!

Toni wird vor zur Leine geschickt


In Verbindung mit dem Kommando „Leine“ kann das auch im Alltag super trainiert werden. Für ein besseres Verständnis habe ich euch eine kleine Übung skizziert:

So kann der Hund zum Ball geschickt werden


Die zwei Tage Treibball mit Bärbl und den anderen Teilnehmerinnen waren einfach klasse! Jedes Mensch-Hund-Paar wurde separat und individuell betreut und geschult und war man selbst nicht an der Reihe, so konnte man eine Menge vom bloßen Zuschauen mitnehmen. Ich durfte wieder mal nette Hundemenschen kennenlernen, tollen Hunden beim Spaßhaben zusehen und viel Neues dazulernen. Ob Toni und ich beim Treibball bleiben? Nach der Begleithundeprüfung wird definitiv ein Ball gekauft UND am 01.07.2018 haben wir ein zweites Seminar 🙂

Das Seminar hat uns beiden richtig gut getan!



Vielen Dank an Bärbl für das tolle Seminar und an Laura von den HSG Franken Schnauzen für die Organisation!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.